Herzlich willkommen bei der Stänkerzicke
Heu miteinander,
wenn ich als Ziege nicht schon von Natur aus zum Meckern verpflichtet wäre, hätte ich es mir in den letzten Jahren angewöhnen müssen.
Was denken sich Menschen eigentlich?
Wahrscheinlich nichts! Sonst würden sie nicht dauernd solchen Blödsinn verzapfen und sich gegenseitig das Leben schwer machen.
Als mein Kumpel Fritz noch mit mir über die Weide zog (er ist leider letztes Jahr in den Ziegenhimmel übergesiedelt), haben wir uns oft gefragt, warum Menschen eigentlich keine Hörner haben. Sie versuchen doch ständig sich gegenseitig zu piesacken und zu ärgern.
Aber bestimmt sollen die anderen nicht mitkriegen, wer da stänkert. Bei uns Ziegen ist das genau anders rum. Als Chefziege lege ich sehr großen Wert darauf, dass jeder sieht, wie ich stänkere. Das verschafft Respekt in der Herde und klärt die Fronten. Ein Blick genügt, und jede Ziege weiß, was Sache ist.
Außerdem haben wir festgestellt, dass Menschen sich vor ganz normalen Sachen furchtbar ekeln. Kacke ist doch etwas ganz Normales und auch was ganz Notwendiges. Manchmal haben wir ein paar Knörpelchen auf der Straße verloren. Na das Gezeter hättet ihr hören sollen, wenn da jemand reingetreten ist. Dabei konnte Fritz ausgesprochen große und wohlgeformte Knörpel absetzen und zu hübschen Häufchen auftürmen. Ich habe lange üben müssen, bis ich das annähernd so hinkriegte. Jedenfalls haben wir uns gedacht, dass so eine Portion Ziegenknörpel bei Menschen bestimmt einen tiefen Eindruck hinterlässt.
Wenn wir unsere schönsten Knörpel in der Sonne trocknen lassen, könnten die an Leute verschickt werden, die sich dann bestimmt sehr über den stinkigen Gruß wundern. Noch geruchsintensiver wäre ja ein Pfündchen von unserem schönen saftigen Stallmist aus dem Tiefstreustall. Der wäre dann auch prima als Dünger für Garten oder Balkon zu verwenden.
Die Abprodukte meiner tierischen Kollegen finden anderswo großen Anklang. Elchkacke wird sogar zu Schmuck verarbeitet. Und was Rinder und Pferde können, können wir Ziegen schon lange und viel besser und schöner.
Es gibt jeden Tag neuen Grund, irgendjemandem sein tief empfundenes Missfallen auszudrücken. Mit meiner Hilfe ist das ein „kapriziöses“ Ereignis. Sollte jemand auf eine bestimmte Geruchsvariante meiner Knörpel Wert legen, werden meine Menschen das dazu notwendige Futter umgehend besorgen.
Und ich bin bereit, mir den Pansen ordentlich vollzuschlagen, damit hinten was rauskommt. Um die Produktion zu erhöhen, kann ich auch meine junge Kollegin Gertrud einarbeiten. Sie ist zwar noch recht unerfahren, aber fressen kann doch wohl jeder, und den Rest besorgt dann die Natur.
Also, Freunde des hintergründigen Humors, wehrt euch mit meiner Hilfe gegen die Ärgernisse des Alltages! Ich bin bereit.
Eure Stänkerzicke